Dumm und Dreist - wie rechte Doppelmoral sich selbst entlarvt (JULI 26)
im Juli 2026
Der Anschlag am Brandenburger Tor macht betroffen und wütend.
Und während die einen mit den Opfern und Hinterbliebenen trauern, überbieten die anderen sich mal wieder mit typischen Reflexen, Ritualen und Mustern, dass man nicht weiß, was da eigentlich erschütternder ist: Die Tat an sich, oder die Arschlöcher, die sich mehr oder weniger freuen, dass es zu so einer Tat gekommen ist.
Jedesmal, wenn ein Auto wahllos in eine Menschengruppe fährt, ist anschließend die Empörung im rechten Lager groß. Außer, der Täter ist Deutscher oder die Opfer haben den Christopher Street Day besucht. Dann sind dieselben Leute, die sonst in den Kommentarspalten immer die schärfsten Konsequenzen fordern, plötzlich muksmäuschenstill.
Oder sie überschütten die Opfer mit Spott und Häme, weil diese für ihr Gutmenschentum endlich mal die gerechte Quittung erhalten haben. Kann man eine menschenverachtende Gesinnung deutlicher zum Ausdruck bringen?
Das sind mitunter dieselben Leute, die ebenfalls schon etliche CSD-Veranstaltungen gewaltsam attackiert haben, nur statt einer Stoßstange Baseballschläger verwendeten. Und das einzige, was ihnen jetzt einfällt, ist die Tat von Berlin für ihre ausländerfeindliche Agenda zu instrumentalisieren. Und danach wird wieder gegen LGBTQ-Leute gehetzt.
Das sind dieselben Leute, die auch bei Gruppenvergewaltigungen immer Stimmung gegen Ausländer machen, obwohl die Hälfte der Täter eine deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Und obwohl Gruppenvergewaltigungen durchschnittlich 2 mal am Tag stattfinden, und andere Formen von sexueller Gewalt täglich ca. 60 mal. Und das sind nur die gemeldeten Zahlen. Geht es den Rechten eigentlich um die Sicherheit von Frauen? Warum kommt dann aus diesem Lager so viel Gegenwind für Collien Fernandes? Oder pickt man sich immer nur die Zutaten raus, die ins braune Süppchen passen?
Erst kürzlich hatte Beatrix von Storch auf Social Media verkündet: „Verfassungsschutz warnt vor Unterwanderung durch Islamisten. Es müsste ein Aufschrei durch das Land gehen. Alle Alarmglocken müssten schrillen. Aber nichts passiert."
Und an dieser Stelle will ich nicht im Geringsten die Gefahr von Islamisten und das damit verbundene offensichtliche Behördenversagen kleinreden, aber ist das nicht exakt der selbe Verfassungsschutz, der normalerweise von der AfD abgelehnt wird, und zwar, weil er vor der AfD warnt? Und da geht es allen anderen, wie der lieben Beatrix: Nichts passiert.
Als Robert Habeck gerichtlich gegen Beleidigungen vorging, warf ihm Alice Weidel Mimosenhaftigkeit vor. Als sie selber gerichtlich gegen Beleidigungen vorging, war das natürlich ganz was anderes.
Was uns blüht, wenn diese Doppelmoral an die Regierung kommt, kann man im Ausland bereits wunderbar studieren.
Nach dem Attentat auf Charlie Kirk, beschloss die rechte US-Regierung, alle mit Repressalien zu überziehen, die auf Kirks Tod keine Trauer und Pietät bekunden. Und selbst, wer einfach nur Aussagen wörtlich zitierte, in denen Kirk selber es an Trauer und Pietät gegenüber Opfern von rechter Gewalt mangeln ließ, bekam ernste Probleme.
Und als J.D. Vance behauptete, politische Gewalt ginge mehrheitlich von Linken aus, wurde von der Website des Justizministeriums eine Studie gelöscht, aus der hervorging, dass der größte Teil inländischer Terrorakte von Rechten begangen werden.
Das ist derselbe J.D. Vance, der auch mal unumwunden bekannte: „Wenn ich Geschichten erfinden muss, damit die amerikanischen Medien dem Leiden des amerikanischen Volkes tatsächlich Aufmerksamkeit schenken, dann werde ich das tun.“
Wo sich die Frage stellt: Wenn die Geschichte schon erfunden ist, wie erfunden ist dann das Leiden des Volkes?
Eine Frage, die man sich auch bei manchen Geschichten der AfD stellen könnte. Was ist der Unterschied zwischen Vance und der AfD? Vance hat's zugegeben.
In Ungarn haben kürzlich die öffentlich-rechtlichen Medien eine Erklärung veröffentlicht: "Wir dürfen nicht lügen. Wir entschuldigen uns dafür, dass wir dies über viele Jahre unter Victor Orban hinweg dennoch getan haben!"
Und dann erinnert man sich an einen Satz von Alice Weidel aus dem Jahr 2025: "Wir werden dem Pfad von Ungarn, unserem großen Vorbild, folgen." Und da wünsche ich ihr doch mal "toi toi toi"
Oder um es auf den Punkt zu bringen:
Es gibt Attentäter. Und egal, welche Herkunft, welchen Glauben, welche politische Überzeugung so ein Attentäter hat, der Grund ist immer eine psychische Störung. Und das Motiv eines Attentäters ist Bestandteil dieser Störung.
Es gibt keinen Unterschied zwischen einem Terroristen oder einem psychisch Gestörten. Wer auch nur auf die Idee kommt, Terror zu verbreiten ist psychisch gestört. Und wer Terror in die Tat umsetzt, erst recht. Und wer anschließend in der Analyse unterscheidet zwischen “terroristisch” oder “psychisch gestört” ist womöglich selber bereits psychisch gestört.
Der Sozialwissenschaftler Klaus Bachmann hat das mal in einem Artikel sehr detailliert erklärt. Den Link gibt es -> hier.
Und dann gibt es noch die Opfer eines Attentats, und die verdienen unser Mitgefühl, egal welche Herkunft, welchen Glauben und welche politische Überzeugung sie haben.
Ist das so schwer zu verstehen?
Jeder beim CSD ist für Liebe, Freiheit, Aufklärung und Verständnis für alle friedlichen Menschen und das lassen wir uns auch nicht nehmen. Die harten Rechten reagieren gern, als ob sie, oder große Teile ihrer Partei nicht ähnlichen Hass gegen verschiedene friedlich anders lebende Menschen hegen würden. Einfach nur Schade.
Ich bin ganz bei Ihnen.
Schwimmen Rechtsradikale und Islamisten nicht in derselben Suppe? Der Unterschied hat sich mir noch nicht entschlüsselt...
Wie immer ein sehr gelungener Artikel.
Wir leben nun in einer Zeit, in welcher auch PolitikerInnen nach dem Motto: 'Wasser predigen und selbst Wein trinken"
handeln.
Danke, H. G.! Alles richtig.
Nur, wo siehst Du hier Behördenversagen. Soll der Staat alle zum Islamismus geneigten Personen prophylaktisch anketten oder jeden von ihnen einen persönlichen Aufpasser an die Seite stellen?
Danke H.G. !
Und zum Kommentar von @Erhardt Thomas:
Ich mag dieser ganzen jammernden Gleichmacherei echt nicht mehr zuhören!
Wie kann man auf die Idee kommen, LGBTQ und Islamismus in einen gemeinsamen Kontext zu bringen? Die einen engagieren sich für eine Welt voller Vielfalt und Gleichberechtigung und Toleranz - und die anderen wollen uns ihre finstere mittelalterliche Gesinnung mit Gewalt aufzwingen?
Aber ist ja eh am Thema vorbei - Gewalttäter und gesellschaftliche Spalter sollten wir immer konsequent bestrafen, Aktivisten für eine freie Welt müssen wir immer und immer wieder unterstützen. Punkt.
LGBT-Aktivismus wuchs mit medialer, politischer, kultureller Unterstützung in Jahrzehnten rapide an. Die Mehrheit mit ihrem "Vater-Mutter-Kind" Konzept, Arbeit, Steuern, Miete zahlen, viele als Versorger für Kinder und Pfleger von Eltern belastet, nimmt LGBT als Randerscheinung schulterzuckend wahr, lebt und lässt leben. Für LGBT-Aktivisten und ihre medialen, politischen, kulturellen Unterstützer ist das "Vater-Mutter-Kind" Konzept eher ein patriarchalisch, rückständiges Feindbild - gemeinhin als "rechts" diffamiert, von "bösen, weißen, alten Männern" verteidigt, die LGBT-Aktivisten nicht verstehen und nicht verstehen wollen. Solange LGBT und Islam gleichsam als Minderheit zu Deutschland gehören, grenzt sich die LBGT-Minderheit gegen das "Vater-Mutter-Kind" Konzept ab, der fundamentale Islam grenzt sich "Ungläubige" ab.
In dem Maße wie LGBT und Islam Anhänger gewinnen, wachsen die Widersprüche zwischen den beiden Gruppen. Während Menschen in intakten Familien mehrheitlich zwar nicht besonders positiv zumindest sehr duldsam LGBT anerkennen, entladen sich Widersprüche zwischen fundamental konditionierten Koran-Anhängern und LGBT in kranker Gewalt. Die Polizeistatistik dokumentiert diese Fakten.