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Super Job (APRIL 20)

Liebe Freundinnen und Freunde des politischen Kabaretts,

in meinem letzten Letter habe ich mir ja grundsätzliche Gedanken zur Coronakrise gemacht. Heute will ich mich mal einem ganz besonderem Aspekt widmen, denn was man ja in diesen Zeiten ständig hört, das ist der Satz: "Die Regierung macht einen super Job", oder "Der Jens Spahn macht einen super Job."

Und das kann ich wirklich bestätigen: Die machen alle grade einen super Job.
So hörte man z B von den Experten ja immer den Hinweis, dass Atemschutzmasken vor Mund und Nase nicht viel nützen, um sich selber vor einer Infektion zu schützen. Sie nützen nur dann super, wenn man bereits eine Infektion hat, dann kann man mit so einer Maske andere vor sich selber schützen. Mit einer Maske andere vor sich selber schützen, das kannte man bis dahin nur von Heidi Klum an Halloween.


Und was am Ende dabei raus kam, das war, dass die Regierung dann lieber Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote in der Öffentlichkeit verhängt hat, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.
Und da hab mal kurz überlegt, und mich erinnert: Zum Beispiel an die Hongkong-Grippe 1968. Eine Pandemie mit weltweit über 1 Millionen Toten. Und ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass es 1968 ein Kontaktverbot in der Öffentlichkeit ab 3 Personen gab. Diese Studentenunruhen hätte ich dann gerne mal gesehen. Rudi Dutschke, anderthalb Meter Abstand daneben Fritz Teufel.
Und das wars.
Benno Ohnesorg würde heute noch mit Rainer Langhans um die Wette kiffen. Und Ulrike Meinhoff würde heute für den FOCUS schreiben.
Keine Rote Armee Fraktion, kein heißer Herbst 1977.

Sowieso nicht. Warum? 1977, da wütete schon wieder eine Pandemie: Die russische Grippe mit weltweit ca. 700.000 Toten. Und das besondere: Ansteckend nur für Leute unter 20 Jahren. 1977 da war ich 12 Jahre alt, also hochgradig gefährdet, also Risikogruppe. Aber ich kann mich ums verrecken nicht daran erinnern, dass damals die Alten aus Solidarität mit uns Jungen zu Hause geblieben wären.

Das einzige, woran ich mich von 1977 noch erinnern kann: "Never mind the bollocks" von den Sex Pistols ist erschienen und Klaus Fischer hat das Tor des Jahrhunderts geschossen. Aber nicht, dass eine Kanzlerin im Fernsehen zu uns sprach, dass wir gemeinsam ein Virus bekämpfen müssen.
Natürlich nicht. Denn da hatten wir ja noch keine Kanzlerin, da hatten wir einen Kanzler. Helmut Schmidt, und der hätte gesagt: "Machts wie ich. 60 Mentholzigaretten am Tag, in solche Atemwege traut sich kein Virus mehr rein."

Aber 2020 werden Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote in der Öffentlichkeit verhängt, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Klar: Zur Arbeit und zum Einkaufen gehen, das darf man nach wie vor. Und das ist wirklich super. 
Du bleibst 2 Wochen freiwillig in häuslicher Quarantäne, und nachdem du keine Symptome entwickelt hast, gehst du einkaufen in einen Supermarkt, der voll ist mit Leuten ohne Atemschutzmasken, von denen man nicht weiß, wer von denen könnte bereits infektiös sein. Und nach dem Einkauf gehst du nach Hause, und bleibst wieder 2 Wochen freiwillig in häuslicher Quarantäne, aber diesmal, nachdem du Symptome entwickelt hast. 

Na, da hat die Regierung die Verbreitung des Virus aber mal sowas von eingedämmt.
Als würde ein Arzt sagen: Wegen Ihren Leberwerten 2 Wochen nur alkoholfreies Bier, außer sie gehen zwischendurch mal in die Kneipe, da gibts Wodka gratis.

Und da hab ich mir gedacht: Moment mal. Wenn ich selber nicht infiziert bin und vor mir steht jemand, der infiziert ist, und ich habe ein Maske auf, was nur ein bißchen was nützt, und der Infizierte hat aber auch eine Maske auf, was aber super was nützt, und wir stehen uns also gegenüber und haben also beide eine Maske auf, wäre das dann nicht sogar der superduperschützendste Nütz, also schutzende Schütz? Nützende Schutz?

Ich mein, wir haben eine Regierung, die macht einen super Job und die verordnet Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote. Da wurden sogar Bußgeldkataloge veröffentlicht, was es kostet, wenn man sich nicht daran hält. Da patrouilliert sogar die Polizei durch die Gegend, um das zu kontrollieren. Wo die Beamten dann immer erst mal checken müssen, wer ist hier mit wem verwandt, wer wohnt zusammen in einer WG, ist das hier ein Onkel und seine Schwägerin oder ein Cousin mit seinem Urenkel? Da müssen ganze Familienstammbäume bis ins 12. Jahrhundert überprüft werden.

Und dann saß neulich dieser eine Virologe beim Markus Lanz, dieser Alexander Kekule, also der Virologe, den die Regierung nicht als Berater wollte, der saß plötzlich beim Lanz und dann bestätigte der Kekule dem Lanz auf dessen Nachfrage genau das, nämlich: Wenn jeder draußen mit ner Maske vor Mund und Nase rumläuft (oder auch mitm Tuch oder Schal) dann ist das Infektionsrisiko vermutlich ziemlich genau so gut eingedämmt, wie bei Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten... 
Wo man sich dann auch fragt, wieso die Regierung das eine durch- und das andere nicht mal in Erwägung gezogen hat? Und die zweite Frage: Was haben die sich eigentlich vorher durchgezogen?

Denn einfach nur zu sagen: Jeder, der rausgeht, verdeckt sich Nase und Mund.
Das wäre ja viel zu einfach gewesen.
Denn das hätte ja nicht nur evtl. ein super Schutz für alle sein können, sondern wenn sich jemand nicht dran hält, dann hätte das auch für die Polizei noch einen riesigen Vorteil, und zwar hätte das den Vorteil, dass - da kommt Ihr nie drauf, - dass, wenn jemand nix vor Mund und Nase hat, dann könnte die Polizei das... Achtung (!).... sofort erkennen.
"Kumma, de seh ich von jemandem die Nasenhaare: Zack - Bußgeld."
"Und im Wiederholungsfall: Zack - zur Strafe Nasenhaare rausreißen."
Das wäre ein super Job der Regierung gewesen.

Und welches Land in Europa hat das als erstes geschnallt, und in Supermärkten Schutzmaskenpflicht angeordnet? Österreich. Ausgerechnet aus Österreich wurde uns Deutschen mal wieder gezeigt, was wahre Führungsstärke ist.

Oder warum rennen se denn in China alle in der Öffentlichkeit mit ner Maske vorm Gesicht rum? Und wir in Deutschland nicht? Gut, die Antwort ist einfach: Weil unsre Regierung den super Job gemacht hat, und die deutschen Masken alle nach China verkaufen ließ.
Also, als sie noch 2 Cent das Stück kosteten.

Als diese Masken dann jetzt im Preis gestiegen waren, da hat unsere Regierung wieder welche eingekauft. O-Ton Jens Spahn: „Wir hätten uns doch nie vorstellen können, dass so ein Cent-Produkt auf einmal so einen Mangel hat,“

Nein, das hätte man sich nie vorstellen können. Da war der Spahn völlig überrascht.
Wer hätte das jemals geahnt...

hmmmmmm....

2002 gab es in Asien diesen Sars-Ausbruch. 750 Tote weltweit. Da hieß es hinterher von den Experten: "Ui, da ham wa noch mal Glück gehabt. Immer gehts nicht so glimpflich aus. Irgendwann kommt ein Virus, das richtig reinknallt."
Das hab selbst ich damals gehört: Und ich bin weder Virologe, noch Gesundheitsminister.
Die einzige Katastrophe, die mich 2002 in Asien interessierte, das war, als Oliver Kahn
nach dem Finale gegen Brasilien in Yokohama am Torpfosten saß, weil er die WM verbockt hatte.
Und da hieß es aber nicht hinterher: "Ui, da ham wa noch mal Glück gehabt."

2004 Vogelgrippe. Weltweit 450 Tote. Da hieß es wieder: "Da ham wa noch mal Glück gehabt. Irgendwann kommt ein Virus, da gehts aber rund."

2009/10 Schweinepest. 18.000 Tote. Da hieß es: "Da ham wa aber Schwein gehabt.
Irgendwann kommt ein Virus, ... "

Drei mal gab es seit der Jahrtausendwende Virenausbrüche, wo selbst ich, also ein medizinisch ignoranter, desinteressierter Tunnelblickvollhonk, wo selbst ich mitbekommen hab, dass wir irgendwann eine richtig gefährliche Pandemie bekommen könnten. Aber ein Gesundheitsminister kann sich sowas nicht vorstellen.

Gut, er hätte vielleicht aber auch einfach mal im Bundestagsarchiv im Intranet in die Suchmaschine Suchbegriffe eingeben können, wie: "Pandemie" und "was dann passiert"

Dann wäre er auf ein interessantes Dokument gestoßen und zwar aus dem Jahr 2013.
Also 7 Jahre vor Corona, da hat nämlich das Robert-Koch-Institut, nach diesen drei Virenausbrüchen Sars Vögel Schweine, also nicht Klingbeil, also nichts Lars vögelt Schw...

Jedenfalls hat das Robert-Koch-Institut 2013 für den Bundestag fiktiv mal einen Pandemieausbruch durchgespielt, so als Fallbeispiel, und protokolliert, was dann passiert, Überschrift: "Bericht zur Risikoanalyse."
Und da stehen Sachen drin, und jetzt gut aufgepasst, denn das ist nicht von mir erfunden, sondern vom Robert-Koch-Institut erfunden. 2013. Steht da doch tatsächlich drin:
->
"Man stelle sich vor, es kommt ein Coronavirus aus Asien. Mit weltweiter Verbreitung.
In Deutschland bislang 6 Patienten infiziert, 2 verstorben. Kinder anscheinend immun. Ältere ab 65 Sterblichkeitsrisiko 50%. Impfstoff nicht vorhanden, nur Symptome können behandelt werden. Neben Einhaltung von Hygienemaßnahmen können nur Schutzmaßnahmen wie Einsatz von Schutzausrüstung, Schutzmasken, Schutzbrillen und Handschuhen getroffen werden."

Das nenn ich aber mal eine Trefferquote. Ich weiß nicht, wer das geschrieben hat, aber wenn ich an seiner Stelle wär, ich würde viel öfter mal Lotto spielen.

Und das war ja noch nicht alles. Ich zitiere weiter aus der Risikoanalyse von 2013:
->
"Das hat zur Folge, dass Arzneimittel, Medizinprodukte, persönliche Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel verstärkt nachgefragt werden. Da Krankenhäuser, Arztpraxen und Behörden in der Regel auf schnelle Nachlieferung angewiesen sind, die Industrie die Nachfrage jedoch nicht mehr vollständig bedienen kann, entstehen Engpässe."

Das hätte der Spahn sich nie vorstellen können. Nee, brauchte er auch nicht. Er hätte es einfach nur nachlesen müssen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am 25. Januar 2020 öffentlich wegen Corona die Gefahr einer weltweiten Verbreitung als hoch eingestuft. Drei Tage später stellt sich Jens Spahn in Deutschland ans Rednerpult und verkündet: "Die Gefahr für die Menschen in Deutschland bleibt gering."

Ich weiß nicht, was der Spahn in diesen drei Tagen gemacht hat, aber am Ende war die weltweite hohe Gefahr in Deutschland gering. Wie schafft man sowas?
Innerhalb von drei Tagen gehört Deutschland nicht mehr zur Welt.
Hat er die Kontinentaldrift beschleunigt?
Unter Deutschland einen Raketenantrieb installiert, der uns ins Weltall transportiert?
Hat er mit der Enterprise telefoniert: "Scotty beam uns hoch."?

Am 05. Februar schickt der größte deutsche Hersteller von genau diesen Schutzprodukten "Franz Mensch", so heißt diese Firma, die schickt dem Spahn am 05.02. eine Email, wo drin steht: "Stellen Sie sich vor, wir bekommen 25.000 Coronafälle in Deutschland. Wir müssen Vorbereitungen treffen."

Aber das konnte der Spahn sich beim besten Willen nicht vorstellen. Und wie hat er reagiert? Ein Monat später, am 04. März hat er einen Exportstopp für diese Sachen verfügt. Und wie nennt man sowas? Einen super Job.





 



Kommentare

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30 Kommentare
#30 Klugmann schrieb am 17.04.2020 17:37

Hallo liebe Butzko Fans,

Ich bin begeistert vom Scharfsinn und vom Witz unseres Freundes Butzko.

Wegen Corona habe ich einen Tipp, es gibt eine Unternehmensberatung des Öffentlichen Dienstes, die Feiert den Corona Bewältigung auf Ihrer Jubiläums Webinale am 8.4.20.

 

Meldet Euch an und hört Vorträge vom Qualitätssicherer, einem Pfarrer und einem Geschäftsführer der Bundestags CSU.

 

Wo geht's zum Programm?

 

Www.arf-gmbh.de

 

Wirklich die Themen lohnen sich, wir werden von unserer Verwaltung, der Politik und unseren von Steuergeldern bezahlten Beratern hervorragend gerettet. Hört Euch die Vorträge an.

 

Allen ein schönes und sonniges WE

BUTZKOMMENTAR:
#29 christu schrieb am 13.04.2020 21:17

Also, verstehe, die Regierung macht keinen guten Job!

Mensch Buzko, dann zeig' uns - der Fangemeinde in der Denkblase - bitte Deinen großen und sicherlich genialen Alternativ-Plan auf, um die Corona-Krise zu überwinden!

BUTZKOMMENTAR:
#28 Günter Handschuh schrieb am 13.04.2020 12:30

Das ganze zeigt die Arroganz der Politiker in den letzen Jahren, die nur ihrem Wohlstand hinterher laufen und auf Ihre Eitelkeit bei den Umfragen achten

BUTZKOMMENTAR: