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Schönen Tag noch (JUNI 19)

Liebe Freundinnen und Freunde des politischen Kabaretts,

 

wie Ihr ja wisst, bin ich ein großer Fan der Digitalisierung. Neuster Hit: Ein Werbeclip, in dem ein glückliches Elternpaar durch einen Spalt ins Kinderzimmer ihres Sprößlings guckt, der selig lächelnd einschläft, weil Alexa ihm eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest. Prädikat: Pädagogisch besonders wertvoll. Der nächste Clip zeigt, wie Alexa einem Neugeborenen die Brust gibt, nachdem es die Windeln gewechselt hat.

Jeff Besoz, der komplett geistesgestörte Chef von amazon hat kürzlich verkündet, er wolle daran arbeiten, dass man nicht nur, wie früher, zum Mond fliegen, sondern, ganz neu, dann dort auch bleiben kann. Ich drücke Jeff Besoz wirklich alle Daumen, dass ihm das auch wirklich gelingen möge. Immerhin gäbe es dann wenigstens eine asoziale Amöbe weniger auf der Erde. 

 

Was aber natürlich nichts daran ändern kann, dass die Digitalisierung wirklich eine super Sache ist.

Apple z B ist ja der Konzern, der angetreten ist, unser Leben smarter zu machen. Und zwar so smart, dass der Kopfhörer für das neuste Smartphone einen breiten Stecker braucht, und der Kopfhörer für das neuste Notebook einen dünnen. Resultat: Smarter Kabelsalat in meiner Jackentasche. Na, da hat aber mal wirklich jemand mitgedacht.

 

Oder neulich hat Apple mir mitgeteilt, dass für mein Notebook ein supergeiles neues Betriebssystem vorliegt, das ich unbedingt installieren muss, wenn ich auf dem aktuellsten Stand der Dinge sein will.

Und wenn ich etwas in meinem Leben unbedingt haben will, dann ist es das neuste Betriebssystem von apple. Betriebssystem also runtergeladen, draufgespielt, übergezogen, und noch mal mit der Fusselbürste abgestaubt. Resultat: der Treiber für meinen Epson-Scanner funktioniert nicht mehr.

 

Anruf bei Epson, frage, was da los sei. Antwort von Epson: "Ja nee, unsere Treiber sind für das neue apple-System nicht konfiguriert." Frage, wann das so weit sei. Antwort: "Ja nee, das wird nicht passieren." Frage, ob es irgendwann neue Treibersoftware gibt. Antwort: "Kann ich Ihnen nicht sagen." Ende des Gesprächs. Nicht vergessen: Diese Softwareentwickler sind auch verantwortlich für das Funktionieren unserer Fortbewegungsfahrzeuge und Überwachungsfunktionen im Krankenhaus. Vertrauen ist der Anfang von allem. Programmierer-Primaten das Ende.

 

Ach ja, kaum hatte ich das Betriebssystem aktualisiert, ploppte noch ein Warnfenster auf: Irgendwas mit "Videoguard10bundle" Kurz recherchiert, also nach ca 2 Stunden hatte ich herausgefunden, dass mein Skyticket, mit dem ich auf meinem Notebook nicht nur Fußballspiele gucken kann, sondern auch das, was Schalke04 auf dem Rasen so treibt, dass also dieses Skyticket eine Komponente der Firma Cisco beinhaltet, die bei einem erneuten update seinen Betrieb einstellen wird. 

 

Anruf bei apple, frage, was da los sei. Antwort von apple: "Ja nee, das sagt uns nichts." Anruf bei Cisco, frage, ob die mir weiterhelfen können. Antwort von Cisco: "Ja nee, das sagt uns nichts." Anruf bei Skyticket, doch bevor ich was fragen kann, kommt eine Ansage vom Band: "Diese Telefonnummer ist nicht mehr in Betrieb. Schönen Tag noch." 

Kurz recherchiert, also nach ca 5 Stunden hatte ich eine neue Hotline-Nummer von Sky gefunden, die ich also anwählte. Worauf ein Stimme vom Band mich nach meiner Kundenummer fragt. Die ich durchgebe. Worauf die Stimme mir sagt: "Diese Hotline gibt es nur für Sky-Kunden. Sie aber sind Skyticket-Kunde, und dafür wurde der telefonische Kundeservice eingestellt. Schönen Tag noch." Was freue ich mich darauf, wenn DAZN die Übertragungsrechte für die Bundesliga bekommt. Oder zumindest für die Spiele von Schalke.

 

Apropos Telefon-Hotline. Mein Handy läuft über Vodafone. Bekomme ich plötzlich eine SMS von Vodafone: "Sie erhalten Ihre monatliche Rechnung ab sofort über die Vodafone-App. Schönen Tag noch." Zur Erinnerung: Ein Unternehmen, das von mir Geld für eine Dienstleistung erhält, ist verpflichtet, mir eine Rechnung darüber zuzustellen. Nicht verpflichtet hingegen ist ein Kunde, sich dafür eine App runterladen zu müssen. 

 

Anruf bei Vodafone, frage, was da los sei. Oder um genau zu sein: Ich WILL fragen, was da los sei. Denn bevor ich dazu komme, sagt mir eine nette Frauenstimme am anderen Ende der Leitung, dass sie mein Anliegen bestmöglich bearbeiten will, und dazu erst mal meine Telefonnummer wissen will, die ich laut einsprechen soll. Was ich dann also mache. Worauf diese Stimme mir antwortet, dass sie mich nicht verstanden habe." Worauf ich die Nummer eintippe. Worauf Sie mir sagt, sie wolle mein Anliegen bestmöglich bearbeiten, weshalb ich aus mehreren Optionen wählen soll, die sie mir vorschlägt. Meine Option war nicht dabei. Worauf diese Stimme mich aus der Leitung wirft. Schönen Tag noch.

Weshalb ich ein zweites mal anrufe, die gleiche Prozedur nochmal durchlaufe, und dann einfach irgendeine Option wähle, um wenigstens irgendwohin durchgestellt zu werden, wo ein menschliches Wesen meine überstrapazierte Geduld abfangen darf. Was dann auch klappt, aber nicht ohne mir zuvor noch über 3 Minuten lang von dieser Computerstimme anhören zu dürfen, wie praktisch doch die neue Vodafone-App ist, und ob ich schon wüsste, dass man dort auch die monatliche Rechnung erhalten kann."

 

Wir sehen, die Digitalisierung bringt uns als Menschheit wirklich voran. Neulich bekam ich eine Email von einer Veranstalterin, darin stand: "Für Ihren Auftritt bei uns bräuchte ich noch Fotos von "echt jetzt" und finde im Netz nichts mit ordentlicher Auflösung. Könnten Sie mir was zuschicken?"

Worauf ich Ihr eine Mail schickte mit dem link zu den Fotos auf meiner Webseite, mit der Frage, ob das denn nicht ausreiche. Antwort der Veranstalterin: "Dankeschön." Ein Hoch auf die künstliche Intelligenz.

 

Aber das alles ist nichts, gegen den Vogel, den die GVL, die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten abgeschossen hat. Was die Gema für Komponisten ist, und die VG-Wort für Autoren, ist die GVL für Darsteller. Das heißt, wann auch immer ich im Fernsehen oder Radio einen Pieps von mir gebe, steht mir dafür Geld zu. Und zwar nicht als Almosen, das mir gönnerhaft gegönnt wird, sondern weil ich, wie der Name schon sagt, ein Recht darauf habe.

 

Und um das zu dokumentieren, musste ich zu analogen Zeiten am Ende des Jahres handschriftlich einen Meldebogen ausfüllen, jeden TV- oder Hörfunkauftritt eintragen, Kopien der entsprechenden Verträge beifügen, und kurz darauf bekam ich ein hübsches Sümmchen aufs Konto überwiesen. Keine Millionen, aber ein Wochenendurlaub an der Nordsee war da schon mal drin. Den man aber nach all den Erfahrungen mit diversen TV- und Radioredakteuren auch dringend nötig hatte. Also früher.

Bis irgendjemand auf die Idee kam, dass man ab dem Jahr 2010 diese Meldungen bei der GVL nicht mehr auf Papier einreichen muss, sondern online. Super Sache! Die Idee allerdings, auf die niemand kam, war, zu fragen, ob denn die GVL dazu auch überhaupt bereit und in der Lage wäre.

War sie nämlich nicht, und  - jetzt kommts - ist sie bis heute nicht.

Resultat: seit über 9 Jahren warten Kabarettisten, Komiker und andere Kleinkünstler vergeblich darauf, dass sie Ansprüche, auf die sie einen Anspruch haben geltend machen können. 

 

Anruf bei der GVL, frage was da los sei. Antwort: "Wir arbeiten dran." Ich frage: "Wie wäre es für Sie, wenn jemand inzwischen verstorben ist, weil er die dringend ärztliche Behandlung nicht bezahlen konnte, weil ihm das Geld fehlt, das die GVL ihm seit 9 Jahren vorenthält." Stammeln und Stottern am anderen Ende der Leitung. Schönen Tag noch.

Oder wie ich schon sagte: Ich bin wirklich ein großer Fan der Digitalisierung. 

 



Kommentare

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4 Kommentare
#4 Lutz schrieb am 13.06.2019 15:48

lieber Butzko,ichfreue mich wie immer über Deine Zeilen. Das Amazon-Bashing ist m.E. überflüssig. Wer sich mit Alexa abgibt, ist selbst schuld, aber versuch doch bitte einmal in Göttingen,das Du kennst, eine ältere CD von BeachBoys zu bekommen. Du fährst in die Stadt,bezahlst hohe Parkgebühren und rennst Dich dumm und dämlich weil es kein Fachgeschäft gibt und wenn, dann sagt man Dir: wir können Ihnen das bestelklen, kommen Sie nächste Woche wieder. Soweit zur CO²Vermeidung.Also nicht alles ist mies bei Bezos. Andere Spitzbuben sammeln auch Daten: Polizei,Geheimdienst,Post,Verwaltung ...

Bis zum nächtsen Mal.

Bleib am Ball!

BUTZKOMMENTAR:
#3 Alex schrieb am 27.05.2019 21:44

Hallo,

 

ich habe mit Verwunderung den Absatz zur GVL gelesen.

Warum tut ihr euch nicht zusammen und hängt diesen Skandal nicht an eine "große Glocke".

Die Konzerne haben sich gerade ihr(!) Uhrheber-(Schwerenöter-)Gesetz in der EU durchgedrückt, und ihr kuckt 9 Jahre in die Röhre?

Hat noch niemand von euch Darstellerzunft seine Rechte mit nem Anwalt durchgeboxt?

Ob die GVL Zinsen mal irgend wann bezahlt? Ist wohl sehr ungewiss.

Wenns - wie beim Josephspfennig - erst in 2000 Jahren ist, haben sie nix mehr davon, aber dann ist es unvorstellbar viel!

Ist das nicht ein toller Trost?

 

Schöne Grüße

BUTZKOMMENTAR:
#2 Franz Beckmann schrieb am 23.05.2019 00:14

Hallo Herr Butzko,

 

ich muss da mal was fragen: Hatten Sie eine kurze Rolle in der Schlussszene von Doris Doerries Film "Männer"?

 

Gruß aus München

Franz

BUTZKOMMENTAR: