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Psychisch geschädigt (MÄRZ 20)

 

 

Liebe Freundinnen und Freunde des politischen Kabaretts,

 

es gibt ja Leute, die sind der Meinung, dass in Deutschland schon immer rund 20% der Bevölkerung rechtsextrem eingestellt waren, und dass es von daher kein Problem sei, wenn diese 20% in den Parlamenten abgebildet werden. Hauptsache, die anderen 80% bleiben 80%.

Wie wir inzwischen aber aus Erfurt erfahren haben, ist es anscheinend doch ein Problem, dass die anderen 80% sich von diesen 20% abgrenzen. Früher stand das "D" in FDP für demokratisch. Jetzt wissen wir, es steht für "Doofköppe".

 

Vor allem wollen wir nicht vergessen, wie die erste Reaktion von FDP-Chef Christian Lindner

geklungen hat, nämlich: "Wir können doch nichts dafür, wenn die AfD unseren Kandidaten mitwählt". 24 Stunden und einen Shitstorm später klang Christian Lindner ganz anders: "Selbstverständlich geht es gar nicht, dass die AfD unseren Kandidaten mitwählt."

Ich weiß ja nicht, wann "Rumeiern" olympische Disziplin wird. Aber sobald "Zurückrudern" ins Programm aufgenommen wird, kenne ich jetzt schon den Favoriten für die Goldmedaille.

 

Das entscheidende Problem mit Rechtsextremen in den Parlamenten ist aber noch ein ganz anderes, nämlich das Phänomen, dass mit Zunahme von Rechtsextremen in den Parlamenten die Gewaltbereitschaft von Rechtsextremen außerhalb der Parlamente gleichsam zunimmt.

Irgendwie gibt es da von jeher kommunizierende Röhren. Und wenn man bedenkt, dass Röhren

innen hohl sind, ist damit der Geisteszustand von manchen Rechtsextremen auch präzise beschrieben.

 

Und wenn dann Rechtsextreme außerhalb der Parlamente mal wieder gewalttätig wurden, kann man die Uhr danach stellen, bis die Rechtsextremen in den Parlamenten beteuern, dass sie mit dieser Gewalt nichts zu tun haben. 

So diktierte z B die AfD-Politikerin Beatrix von Storch nach dem Massaker von Hanau in die Fernsehkameras und Mikrofone, dass es sich ja bei dem Täter um einen psychisch Geschädigten handelte. Zitat: "Der Mann war psychisch geschädigt." Und das fand ich bemerkenswert. Jemand, der schriftlich und mündlich das Vokabular der AfD benutzt, ist also psychisch geschädigt. Jetzt frage ich mich, wer bringt es der Beatrix schonend bei?

 

Immer wenn ich die intellektuelle Trennschärfe dieser von Storch vernehme, dann denke ich mir jedes mal: Irgendwann muss die sich doch mal mit der flachen Hand vor den Kopf klatschen, und laut ausrufen: "Ach du scheiße! Wie blöd war ich denn?" Aber hat schon mal irgendjemand gesehen, dass eine Amöbe sich hinkniet, um ihren Horizont zu erweitern?

 

Zu einer psychischen Gesundheit gehört übrigens auch die Fähigkeit zu selbstkritischer Reflektion. Und wenn aber genau die gleichen AfD-Politiker, die selber jeden Furz im Lande zur Hetze gegen Fremde instrumentalisieren sich jetzt beklagen, dass der Hanauer Anschlag instrumentalisiert werde, um gegen sie zu hetzen, wenn die Ausgrenzer sich jetzt über Ausgrenzung beschweren, dann erhält man auf wunderbare Weise Anschauungsunterricht zum Thema "Projektion". Wenn man mit demselben Finger, mit dem man immer auf andere zeigt, sich an die eigene Nase fassen soll, wird es nun mal schwierig, wenn dieser Finger sich am Ende eines ausgestreckten rechten Arms befindet.

 

Und bevor man sich jetzt in Detaildiskussionen verzettelt, wer von der AfD was genau gesagt und wie gemeint hat, und ob das Mahnmal der Schande die Schande doch gar nicht in Abrede gestellt und der Vogelschiss die 12 Jahre NS-Faschismus doch gar nicht verschwiegen haben soll, spätestens, wenn ein Alexander Gauland auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen genau so stolz sein möchte, wie die Franzosen und Engländer auf die ihren, dann heißt das, dass Angriffskrieg genau so super ist, wie Verteidigung und dass Aggression das gleiche ist wie Widerstand. Nur eines heißt es nicht: Nämlich, dass Schusswaffengebrauch scheiße ist. 

 

Und wenn Alexander Gauland außerdem sagt, dass man die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz ins Eichsfeld einladen solle, um ihr dann zu sagen, was spezifisch deutsche Kultur sei, und sie dann nie wieder hierher komme, und man sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen könne, dann muss man schon psychisch äußerst unbeschädigt sein, um daraus keine Aufforderung zur Gewaltanwendung abzuleiten.

 

Und wenn dieser Alexander Gauland sich dann hinstellt, und ernsthaft fragt, was eine Partei, die von Messermännern, Kopftuchmädchen und sonstigen Taugenichtsen schwafelt, eine Partei, die wegen der Hautfarbe eines deutschen Nürnberger Christkindls die Ausrottung des deutschen Volkes herbeischwadroniert, eine Partei, die eine Ziegenficker-Satire gegen den Türken Recep Tayyip Erdogan abfeiert, aber die Nazischlampen-Satire gegen die Wahlschweizerin Alice Weidel vor Gericht bringt, wenn dieser Alexander Gauland, der davon spricht, dass "die Kanzler-Diktatur das deutsche Volk völlig umkrempelt und viele fremde Menschen uns aufpfropft und uns zwingt, die als Eigenes anzuerkennen", wenn dieser Alexander Gauland sich dann hinstellt, und ernsthaft fragt, was eine solche Partei damit zu tun habe, wenn in Deutschland Shisha-Bars angegriffen werden, dann erkennt jeder Psychologiestudent im Erstsemester, dass "Verdrängung" die Einstiegsphase zur "Schizophrenie" ist, und der Grad einer solchen psychischen Beschädigung schon nach stationärer Behandlung schreit.

 

Was die eine Möglichkeit ist. 

 

Die andere Möglichkeit ist, dass Alexander Gauland und Beatrix von Storch ganz genau wissen, dass sie irreführen und leugnen und mit zweierlei Maß messen, bis die Bräune nur so kracht. Dann aber gehören sie nicht auf die Therapeutencouch, dann gehören sie in die geschlossene Psychiatrie. Was mit Gustl Mollath möglich war, muss doch mit Untoten und Wiedergängern erst recht möglich sein.

 

Wobei man aber eines unbedingt nicht vergessen sollte: Solange es auch in der Mitte der Gesellschaft Leute wie Bundesverkehrsminister Andi Scheuer gibt, für den das Schlimmste ein fußballspielender ministrierender Senegalese ist, den man nach drei Jahren in Deutschland nie wieder loskriegt, oder ein Bundesinnenminister Horst Seehofer, der die Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme bis zur letzten Patrone verhindern wollte, solange man also auch aus der Mitte der Gesellschaft solche verbalen Sprengsätze hört, so lange sollte man auch in der Mitte der Gesellschaft mit dem selben Finger, mit dem man jetzt auf die AfD zeigt, sich immer auch schön an die eigene Nase fassen. 

Oder wegen Doppelmoral und Heuchelei gleich das gepolsterte Zimmer neben Gauland und von Storch beziehen.

 


Kommentare

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3 Kommentare
#3 PD Dr. Gabi Pitschel-Walz, Psychologische Psychotherapeutin schrieb am 28.02.2020 21:37

Lieber Herr Butzko,

ich schätze Ihre Texte und Analysen sehr, aber im Text "psychisch geschädigt" arbeiten Sie mit Stereotypen über psychisch Kranke, Schizophrenie und die Psychiatrie im Allgemeinen (Therapeutencouch, gepolstertes Zimmer), dass ich das nicht so stehenlassen kann, da damit die Diskriminierung und Stigmatisierung psychisch Kranker unterstützt wird und wirksame Hilfen wie eine stationäre Behandlung verunglimpft werden. Der Täter von Hanau war wohl psychisch krank und rechtsextrem und fremdenfeindlich, das schließt sich nicht aus, aber umgekehrt ist nicht jeder Rechter psychisch krank und gehört auch nicht in die Psychiatrie. Eine psychiatrische Klinik ist ein Krankenhaus, in dem psychisch Kranke, die in akuter Not sind Hilfe erhalten. Sie stellen sie aber als eine Bestrafungsanstalt dar und verhindern dadurch mit, dass psychisch kranke Menschen sich rechtzeitig Hilfe holen. Und Verdrängung ist nicht die Einstiegsphase zur Schizophrenie. Falls ich irgend etwas falsch verstanden haben sollte, können Sie mir gerne zurückschreiben und das aufklären.

Aber mich stört immer wieder mal, dass Kabarettisten die Klischees über psychisch Kranke und die Psychiatrie unhinterfragt übernehmen und dadurch die Stigmatisierung befeuern.

Liebe Grüße

Gabi Pitschel-Walz

BUTZKOMMENTAR:

Liebe Frau Pitschel-Walz,

vielen Dank für Ihr kritisches und doch gleichsam pöbelfreies Feedback. Gibt es selten in diesen Zeiten, so dass ich das mal hervorheben möchte.

Abgesehen davon liegt mir natürlich nichts ferner, als psychisch Kranke zu verunglimpfen, und sie durch kabarettistische Texte davon abzuhalten, sich rechtzeitig Hilfe zu holen. Wenn ich das getan haben sollte, so war es mir nicht bewusst, und dann möchte ich mich dafür entschuldigen.

Im Gegenteil, geht es mir doch in meinem Beitrag auch vielmehr darum, dass Politiker*Innen, die Angst vor Fremden schüren, sich tatsächlich mal in Therapie begeben sollten, um ihre unbewussten Motive zu bearbeiten.

Dass ich das nicht ohne Polemik und Übertreibung tu, und dabei Begriffe und Beschreibungen verwende, die die Situation zuspitzen, ist dem Anforderungsprofil meines Berufs geschuldet, und leider nicht zu vermeiden. Siehe: Definition von Satire.

Ob eine geschlossene Abteilung dabei auch als eine Bestrafungsanstalt betrachtet werden kann, ist allerdings leider nicht meine Erfindung. Mehr Einzelheiten dazu diskutieren sie aber lieber mal mit dem erwähnten Gustl Mollath.

Viele Grüße, und außerdem großen Respekt für Ihre Arbeit.

HG.Butzko

#2 Sanne Elges schrieb am 25.02.2020 22:14

Butzko als Bundeskanzler !!

Ich würde Sie sofort wählen.

Jedes Wort ist Balsam auf meine politikverdrossene Seele

Danke!

BUTZKOMMENTAR:
#1 Horst Hingsen schrieb am 25.02.2020 12:10

Rechtsextremismus:

Schon im vorigen Jahrhundert war die Jurisprudence und die Medizin willfährig, das Gedankengut der rechten Feuerteufel mitzutragen. Auch heute ist das ähnlich. Teile der Polizei und des Heeres kann sich von der Gottähnlichkeit des teutschen Characters nicht lossagen. Und deshabl ist es so schwer, die RECHTEN zu bekämpfen. Wenn man nicht die Brandstifter hinter Schloß und Riegel bringen kann, werden wir nie Ruhe vor diesem Pack bekommen. Aber wie macht man das? Zumindest bin ich der Meinung, dass Schusswaffen nicht in die Hand von Zivilisten gehören. Schießen ist kein Sport - schießen ist MORD!

BUTZKOMMENTAR: