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Katarrh (NOV.2 22)

Eigentlich wollten sich Manjur Kha Pathan, Suman Miah, Yam Bahadur, Rana Mohammad Kaochar Khan und Tul Bahadur Gharti die Spiele der Fußball-WM in Katar angucken. Was sie aber jetzt doch nicht machen. Und was mich zu der Entscheidung brachte, es ihnen gleich zu tun. Denn wenn die Einschaltquote ein Zeichen setzt, dann gilt: Je geringer sie ist, desto besser. Aus Solidarität. Oder für die Jüngeren: Aus krasse Wokeness.
 
Und es gibt doch auch so viel schöne Sachen, die man stattdessen machen kann:
Zehnägel schneiden. Nasenhaare zupfen. Fusseln aus dem Bauchnabel puhlen.
Der menschliche Körper kann auf so vielfältige Arten gepflegt werden, dass man damit locker vier Wochen verbringen kann.
 
Oder wie wär’s mal mit: Asiatische Fernsehserien streamen ohne Untertitel. Oder mit einem CB-Funkgerät das Weltall nach Außerirdischen abhorchen. Oder schon mal an Ostern denken und Eier verstecken. Das Morsealphabet auswendig lernen und aufsagen.
 
Oder einfach mal die Katze im Sack lassen. Vor dem frühen Vogel den Wurm fangen. Der Maus den Faden abbeissen. Leiser als Flöhe husten. Oder mal nachgucken, wie es Nachbar’s Lumpi geht. Oder bei Hempels unter’m Sofa aussieht.
 
Es gibt so schöne Möglichkeiten, sich anderweitig zu beschäftigen. Kresse pflanzen und beim Wachsen beobachten. Aus Zahnpasta lustige Figuren formen. Oder Kniechen, Näschen Öhrchen spielen. Ein Smartphone auseinander bauen und wieder zusammensetzen.
Probieren, wie lange man die Luft anhalten kann. Oder etwas für die Profis: Eine Raufasertapete betrachten. Was gibt es nicht für interessante Strukturen auf einer Raufasertapete zu entdecken.
 
Ach ja, ich hatte ganz vergessen zu sagen, warum Manjur Kha Pathan, Suman Miah, Yam Bahadur, Rana Mohammad Kaochar Khan und Tul Bahadur Gharti sich die Fußball-WM nicht angucken werden. Sie sind bei den Bauarbeiten in Katar um‘s Leben gekommen.
Fünf von mindestens 5000, die für diese WM mit ihrem Tod bezahlt haben.
 
Und wenn ich bislang bei einem Großturnier immer bereit war, ein Auge zuzudrücken, hätte das zur Folge, dass ich jetzt auf beiden Augen blind wäre. Und das kann man beim besten Willen nicht von mir verlangen. Aus Solidarität. Oder für die Jüngeren: Aus krasse Wokeness.




 



Kommentare

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9 Kommentare
#9 Roman schrieb am 16.11.2022 08:20

Ich bin doch etwas überrascht, wie viele mit in dem TV-Boykott-Chor mitsingen.

 

Doch wieviele dann am Ende auch den Text einlösen, werden wir kaum erfahren.

Es sind ja letztlich nur 'angebliche Boykotteure', weil wir ja kaum erfahren werden, wer das durchhält, vor allem wenn die deutsche Mannschaft erfolgreiche Runden spielen sollte.

 

Und was passiert wohl, sollten die tatsächlich ins Endspiel kommen?

Da kommt jemand aber echt ins Schwitzen.

 

Es riecht mir dabei zu viel nach Scheinheiligkeit und inkonsequent ist sie ohnehin.

 

Was ist denn der letztendliche Zweck eines solchen TV-Boykotts?

Eine Kritik aus dem sicheren und behaglichen Wohnzimmer.

 

Die wenigen, die den Boykott am Ende weltweit tatsächlich durchhalten, verlieren sich im Gebrüll zustimmender Zuschauer und haben außer ihrer Selbsthuldigung für die Menschenrechte nichts aber auch gar nicht bewirkt.

 

Solange Geld mit Sport verdient wird, gilt auch das Gesetz des Geldes.

Das gilt für die Veranstalter, Ausrichter, TV-Anstalten und für die Sportler selbst, die heftig dabei verdienen.

 

Ich nehme mal an, dass die angeblichen Boykotteure sich auch keine Spiele anschauen und auch nicht in die Stadien gehen, in denen Vereine spielen, die von Katar finanziert werden - europaweit einschließlich BayernMünchen.

Und da hat sich Katar in wahrlich in viele Vereine eingekauft.

 

Das zu Katar.

Und was ist mit China-Produkten?

 

Viel Spaß beim Konsequentsein.

BUTZKOMMENTAR:
#8 Thomas Meid schrieb am 15.11.2022 20:36

Ich hatte mir schon 2010 überlegt, die vermutlich größten Korruptionsspiele außerhalb des IOC zu ignorieren. 2018 hat das bereits hervorragend funktioniert.

Auf makabre Art machen es mir die Qatari noch einfacher...

BUTZKOMMENTAR:
#7 Benno K. schrieb am 15.11.2022 19:07

Nicht einschalten ist wohl das mindeste, was man tun kann, wenn man es schon mit einer korrupten FIFA zu tun hat.

Unser Wirtschaftsminister hatte in Qatar um Gas gebettelt und nicht bekommen.

Übrigens hätten wir das Gas vor ein paar Jahren durchaus von dort kriegen können, aber das russische war billiger...

Nun führen uns die Qataris vor.

Wenn die BRD theoretisch jetzt ein Schurkenstaat wäre, würde unsere Ansage vielleicht lauten: kein Gas, also keine WM.

Aber wir sind ja keine Schurken.

BUTZKOMMENTAR: