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Der Höhepunkt 2018 (JAN 19)

Liebe Freundinnen und Freunde des politischen Kabaretts,

 

zunächst mal möchte ich Euch allen ein frohes neues Jahr 2019 wünschen. Mögen Eure Träume wahr werden, und die Alpträume rar. Und falls mich jemand von Euch im kommenden Jahr mal live besuchen möchte, mein Tourplan für die nächsten 12 Monate steht hier:    Das wahr werden Eurer Träume ist also nur eine Ticketbestellung weit entfernt. Und falls ich nicht in Eure Nähe komme, verbucht es einfach als Ausfall eines Alptraums.


Apropos Alpträume: Anfang Januar ist ja auch immer die Zeit der unvermeidlichen Jahresrückblicke, und wie sich das für einen guten Kabarettisten gehört, will ich da natürlich auch nicht nachstehen und ebenfalls einen liefern. Allerdings möchte ich Euch jetzt nicht auch noch den drölfzigsten Aufguss von Harry mit Meghan oder Löw mit Özil absondern, sondern ich möchte Euch einfach nur schildern, was mein persönlicher Höhepunkt 2018 war. Denn natürlich gäbe es viel zu berichten, aber ein Ereignis war dann doch sowas von komplett herausragend und anders als alles andere, dass alles andere dagegen anders war.

 

Und zwar begab es sich am Samstag, den 27. Oktober, da ging ich um die Mittagszeit in der Mainzer Innenstand ein wenig umher. Bummeln nannte man das früher, und beschreibt eine Tätigkeit, die es heute so nicht mehr gibt, nämlich: Schlendern ohne shoppen. Wahnsinn!

 

Und während ich da also bummelte, machte ich noch etwas, was man heutzutage auch nur noch selten antrifft: Ich schaut mich um und nicht aufs Handy. Und was ich dabei alles zu sehen bekam: Nochmal Wahnsinn!

 

Vor allem, als ich in eine Seitenstraße der Mainzer Fußgängerzone abbog, befand sich da nämlich ein Infostand der AfD, an dem es Flugblätter gab, und Infobroschüren, und Aufkleber, Kugelschreiber und Luftballons. Also ganz was anderes, als bei all den Infoständen der gleichgeschalteten Mainstream- System- und Einheitsparteien.

 

Und wie ich mich diesem Stand näherte, bemerkte ich, dass diesem Stand gegenüber, also ungefähr in einer Entfernung von 6,29 Metern eine Protestgruppe von fünf Personen stand, die dort einfach nur stand, also ohne Gebrüll oder Geschrei, oder sonstige Aktivitäten, was diesem AfD-Stand unnötig Aufmerksamkeit beschert hätte, sondern standen da einfach nur ein halbes Dutzend Leute da so rum, und hielten den Mund. 

Allerdings nicht nur den, sondern auch einen großen schwarzen Müllsack in der Hand. und ein Schild, auf dem stand: "Für jeden AfD-Flyer, der in unserem Müllsack landet, spenden wir 50 cent an eine Fluchthilfeorganisation im Mittelmeer."

 

"Potzblitz" dachte ich, während ich da so stand "gute Idee. Nur wo krieg ich jetzt so auf die Schnelle einen AfD-Flyer her?"

Und dann kramte ich in meinem Gedächtnis rum und erinnerte mich, dass ja nur 6,29 Meter entfernt hinter mir ein AfD-Stand war. "Na, sowas aber auch", dachte ich, und machte eine 180-Grad-Wende, ging exakt 9 Schritte, stand vor einem Herren am AfD Stand, und wagte eine Begegnung der dritte Art, will sagen, ich sprach ihn an. "Verzeihung, haben Sie vielleicht einen Flyer für mich?" Worauf mir dieser Herr, wie aus der Pistole geschossen entgegnete: "Wollen Sie den da drüben in den Sack werfen?" Worauf ich ebenso reflexartig antwortete: "Na klar."

 

Und was darauf passierte, widersprach sämtlichen Gepflogenheiten des politischen Anstands, und führte alle bisher existenten Formen der politischen Auseinandersetzung ad absurdum. Bilder des braunen Mobs in Chemnitz und des schwarzen Mobs im Hamburger Schanzenviertel waren dagegen ein Fliegenschiss in der deutschen Geschichte. Selbst eine Vollversammlung der UNO hätte hier nichts mehr ausrichten können.

 

Denn dieser Mann am AfD-Stand gab mir darauf einfach ... einen Flyer! Und nicht nur das. Er gab mir diesen Flyer und schaut mir wort- und kommentarlos dabei zu, wie ich jetzt eine 180-Grad-Wende vollzog, exakt 9 Schritte machte, um 6,29 Meter zurückzulegen, und dann den Flyer in einen schwarzen Sack schmiss. Worauf mir 5 junge Leute stumm zunickten, um mir damit wohl eine Art von Dankbarkeit zu signalisieren.  

 

Und mit dem Gefühl eine gute Tat getan zu haben, ging ich dann weiter. Allerdings nicht, ohne nach ungefähr 50 Metern noch mal stehen zubleiben, und zurück zu gucken. Und erst jetzt sah ich, dass ungefähr 10 Meter neben diesen beiden Gruppen genau ein Polizist auf genau einem Motorrad positioniert war, und dem Treiben zuschaute. Und beim Anblick dieses Gesamtensembles dachte ich so bei mir:

"Schön, in einer Demokratie zu leben"

 



Kommentare

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4 Kommentare
#4 ulla rameil schrieb am 13.01.2019 12:00

HERRLICH DANKE !

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#3 Werner Bischoff schrieb am 09.01.2019 19:23

Ja nur immer öfter drüber schreiben, sonst könnt man die ja womöglich mal verehentlich vergessen........

MfG Werner Bischoff

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#2 Jean schrieb am 07.01.2019 22:34

Zivilcourage fängt manchmal klein an, aber dann, aber dann !

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